Krypto

«Ich wollte nie einfach nur Coins traden»: Kevin Kerns NETWRK

Der Zürcher Gründer verwandelt ein Jahrzehnt selbst erlerntes Krypto-Trading in bankfähige Zertifikate und Apps – und gibt das Know-how weiter, das er einst für sich behielt.

Veröffentlicht 29. August 2026, 15:40· Aktualisiert vor 2 TagenVon Rafael Moreno · 7 Min. Lesezeit
Kevin Kern sitzt in nachdenklicher Haltung an einem Tisch, gekleidet in einen Nadelstreifen-Zweireiher.
Kevin Michael Kern / NETWRK

Das Wichtigste

  • Kern gründete die NETWRK AG 2022 in Zürich; das erste Actively Managed Certificate ging im Frühjahr 2025 live – mit 30 bis 40 Krypto-Assets und ohne Meme-Coins.
  • Das Zertifikat zielt auf 40 bis 50 Prozent Jahresrendite, bei 1 Prozent Management-Fee und 40 Prozent Performance-Fee.
  • Swissquote liefert den bankfähigen Wrapper, Kraken Ausführung und Verwahrung; Backoffice, Depotbank und Onboarding laufen über Partner wie die InCore Bank und die Pistolese Asset Management AG.
  • Ein zweites, hybrides Zertifikat kombiniert Krypto mit klassischen Aktien; die NETWRK-Analyse-App startete im August 2024, und NetState – Schweizer Immobilien mit Krypto kaufen – ist bereit für den Start.
  • Kerns erklärtes Ziel: sein Trading-Know-how zu Banken, Family Offices und Vermögensverwaltern bringen, statt nur das eigene Buch zu handeln.

Warum es zähltStatt einen privaten Vorsprung still zu vergrössern, giesst Kern ihn in regulierte, bankfähige Produkte und Software – eine Wette darauf, dass Krypto zu einer Anlageklasse reift, zu der Institutionen und Privatanleger gleichberechtigten Zugang haben.

Kevin Kern hätte einfach weiter sein eigenes Buch handeln können. Nach eigenen Angaben brachte es 200 bis 300 Prozent Rendite pro Jahr; es hätte keine Kunden gegeben, keine Compliance, kein Team und keine Öffentlichkeit. Stattdessen gründete er eine Firma – und die Begründung, die er dafür gibt, ist entwaffnend einfach: «Ich wollte nie einfach nur Coins traden.»

«Privat traden ist das eine – aber ich will dieses Know-how auch institutionellen Anlegern geben», sagte Kern gegenüber Forbes. «Wir Jungen kennen Krypto, warum also nicht für Banken, Family Offices oder Vermögensverwalter arbeiten?» Was er wolle, sagt er, sei etwas, das bleibt: «Ich will mehr, als nur selbst Geld zu verdienen. Ich will etwas bauen, das bleibt.» Aus dieser Ambition entstand die NETWRK AG, die Zürcher Firma, die er 2022 gründete und heute vom Prime Tower aus führt.

Vom Wallet zum Wrapper

Das Vehikel, das Kern wählte, ist eines der unglamourösesten Instrumente des Schweizer Finanzplatzes – und genau deshalb funktioniert es: das Actively Managed Certificate, kurz AMC.

Ein AMC ist ein kotiertes, bankfähiges Wertpapier, das einen aktiv verwalteten Korb von Vermögenswerten hält. Es hat eine ISIN und wird über dieselbe Infrastruktur abgewickelt wie jedes andere Wertpapier. Für institutionelle Anleger ist genau das der Punkt: Ein AMC passt in bestehende Depot- und Reporting-Systeme, in die ein Krypto-Wallet nicht hineinkommt. Es ist die Brücke zwischen dem, was Kern weiss, und dem, was ein Schweizer Allokator besitzen darf.

Kevin Kern geht eine breite Marmortreppe hinunter und hält eine Ledermappe in der Hand.
Kevin Michael Kern, CEO der NETWRK AG, in Zürich.

NETWRKs erstes AMC ging im Frühjahr 2025 live. Der Korb umfasst dreissig bis vierzig Krypto-Assets: Bitcoin und Ethereum als Fundament, dazu Solana und aktive Positionen in Projekten aus künstlicher Intelligenz, Gaming und Decentralised Finance. Meme-Coins sind aus Prinzip ausgeschlossen. «Weil das keine Substanz hat», sagt Kern. «Wir bauen kein Produkt für Trends, sondern für Performance.»

Die Ziele sind ambitioniert – 40 bis 50 Prozent Rendite pro Jahr – und die Gebührenstruktur ist unverblümt: 1 Prozent Management-Fee, 40 Prozent Performance-Fee. «Wenn wir liefern, fragt niemand nach den Fees», sagt Kern. Ein zweites Zertifikat führt die Idee weiter: ein Hybrid aus Krypto und klassischen Aktien, gebaut für Allokatoren, die Zugang zu Kerns Arbeit wollen, ohne ein reines Krypto-Mandat zu vergeben.

Die Maschinerie dahinter

Die Produkte laufen über etablierte Partner. Swissquote – eine kotierte Schweizer Bank und einer der erfahrensten Namen in der AMC-Infrastruktur – liefert den bankfähigen Wrapper und die Abwicklung, während Kraken, eine der grössten Kryptobörsen der Welt, Ausführung und Verwahrung der zugrunde liegenden Assets übernimmt – in einer Tiefe, die traditionelle Banken jenseits der grössten Token nicht bieten können. Darüber hinaus arbeitet NETWRK mit Partnern wie der InCore Bank und der Pistolese Asset Management AG zusammen: Backoffice, Depotbank und Onboarding sind ausgelagert – und damit ein Grossteil der regulatorischen Last, die Finanzprodukte mit sich bringen.

Inhouse bleibt, was Kern als das eigentliche Produkt betrachtet: das Portfoliomanagement. «Wir analysieren den Markt und unsere Coins jeden Tag, auch wenn wir nicht täglich traden», sagt er. Das Umfeld verlangt es. Importzölle, Geopolitik und makroökonomische Unsicherheit bewegen Krypto heftig – nach der US-Wahl 2024, sagt Kern, legte der Markt innerhalb weniger Wochen fast 100 Prozent zu. Die Firma hält deshalb starke Cash-Reserven in Stablecoins und betreibt tägliches Risikomanagement.

Smartphone-Bildschirm mit der NETWRK-KI-App, die Marktbewegungen und einen Eilmeldungs-Feed zeigt.
Die NETWRK-App: Live-Marktdaten, Krypto-News und KI-Analyse an einem Ort.

Apps, Immobilien und der nächste Schritt

Die Zertifikate sind die eine Hälfte dessen, was Kern baut; Software ist die andere. Die erste NETWRK-App, lanciert im August 2024, ist die Analyse-Ebene: Live-Marktdaten, Portfolio-Übersicht, tägliche Krypto-News, Kurs- und Trade-Historie. Ein KI-Produkt erweitert diese Analyse auf Menschen ohne Trading-Hintergrund – es führt jene Einschätzungen aus, die Kern zehn Jahre lang von Hand zu machen lernte.

Ein drittes Konzept, NetState, ist bereit für den Start: eine App – unabhängig von NETWRK betrieben –, die den Kauf von Schweizer Immobilien mit Kryptowährungen ermöglichen soll. Und die Landkarte könnte wachsen: «Wir fühlen uns in der Schweiz sehr wohl», sagt Kern, «sehen uns Hotspots wie etwa Dubai oder Monaco als nächsten Schritt aber sehr genau an.»

Die Asymmetrie verkleinern

Kevin Kern gestikuliert beim Sprechen vor einem sitzenden Publikum in einem Unternehmens-Besprechungsraum.
Kern bei einer Präsentation vor Investoren an einem NETWRK-Event.

Fragt man Kern, wozu das alles dient, ist die Antwort keine Produktliste. Die Branche, in der er gross wurde, lebt von Informationsasymmetrie – davon, dass wenige früh wissen, was ein Asset wert ist. Kern stand als Teenager auf der Gewinnerseite dieser Asymmetrie. Seine Firma ist ein Argument dafür, dass sie kleiner werden sollte: dieselbe Analyse, die er einst nachts alleine betrieb, verpackt in ein Zertifikat, das eine Institution halten kann, und in eine App, die jeder öffnen kann.

Seine Vision für die Firma ist konkret: das eine Prozent abholen, das Vermögensverwalter heute in Portfolios für Krypto allokieren – und es dann skalieren. Er gründete die Firma mit neunzehn, zog mit zwanzig in den Prime Tower und führt sie mit einem jungen Team – und mit der einst skeptischen, heute stolzen strategischen Unterstützung seiner Eltern im Rücken.

Der Cheat-Code liegt ein Jahrzehnt zurück. Aufgehört zu bauen hat er seither nicht.

Die Zertifikate der NETWRK AG sind Anlageprodukte. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse; nichts in diesem Artikel stellt eine Anlageberatung dar.

Newsflint berichtet über Marktinformationen ausschliesslich zur allgemeinen Information. Nichts davon ist eine Anlageberatung.

Quellen